
Centrum Judaicum - Brückenfunktion der Juden in Deutschland? 17.11.2005
Ein Symposium des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Heinrich-Böll-Stiftung
Donnerstag, 17. November 2005, 10 bis 18 Uhr
Centrum Judaicum, Oranienburger Straße 28-30, 10117 Berlin.
Die deutsch-israelischen Beziehungen stehen 2005 im Zeichen der Festlichkeiten zum Anlass der 40jährigen diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Dabei herrscht der Tenor vor, der eine gegenseitige Annäherung und ein wachsendes Vertrauen Israels gegenüber einer stabilen Demokratie in Deutschland betont. Auffallenderweise wird dabei die Rolle der jüdischen Gemeinden in Deutschland bei diesem Prozess fast völlig ausgespart.
Dabei kam den Juden in Deutschland - gewollt oder ungewollt - schon immer eine in der Öffentlichkeit nur diffus thematisierte Brückenfunktion innerhalb der deutsch-israelischen Beziehungen zu. So werden sie von der allgemeinen Bevölkerung unter Umständen als Repräsentanten des Staates Israel gesehen, ja gar als israelische Staatsbürger. Auch von israelischer Seite war ihre Position nicht unumstritten. So hatte Staatspräsident Ezer Weizmann sel. A. 1996 in Deutschland im Vorfeld seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag die Juden in Deutschland zur Auswanderung nach Israel aufgefordert.
Andererseits war es bis zum Fall der Berliner Mauer in der Tat so, dass für die ca. 28.000 Mitglieder der kleinen Jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik der Staat Israel einen Identität stiftenden Bezugspunkt darstellte. Sehr häufig wurde davon gesprochen, dass man nur "auf gepackten Koffern" säße, um letzten Endes nach Israel auszuwandern. Sie taten es zum Großteil nicht, sondern blieben hier. Stattdessen wuchsen die Jüdischen Gemeinden in Deutschland mit dem Ende des Ostblocks, nicht nur zahlenmäßig durch die Einwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach 1989. Dadurch gewinnen die jüdischen Organisationen an öffentlicher Stimme und an politischer Bedeutung. Die Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland beteiligten sich immer wieder an bilateralen Gesprächen zwischen Israel und Deutschland, in der Komplexität des deutsch-israelischen Verhältnisses wird die Brückenfunktion immer wieder deutlich. Auch von israelischer Seite wurden und werden sie als Kontaktpersonen zur deutschen Elite wie zur deutschen Öffentlichkeit gerne benutzt und finden hierin eine neue Bedeutungszuschreibung. Die Teilnahme des amtierenden Staatspräsidenten Moshe Katsav bei der Eröffnung der Wuppertaler Synagoge 2005 wurde innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und in der deutschen Öffentlichkeit als israelische Bestätigung des jüdischen Lebens in Deutschland aufgefasst.
Wie hat sich das Selbstverständnis der Juden in Deutschland und das deutsch-israelische Verhältnis in den 40 Jahren seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen gewandelt?
Mit Amos Elon, Publizist, Israel/Italien, Shimon Stein, Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Herman Simon, Direktor Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum u.a.
etwa 120 Personen nahmen an der Veranstaltung im Centrum Judaicum teil.
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