ANTI - DEFAMATION FORUM



Cottbus - Groß Galow Demonstration 11.09.2004

Critical Society script no.7

Antifa-Double-Feature in Cottbus und Kleinmachnow

11.9.2004 WE REMEMBER! Antisemiten angreifen!

Das ruhige Hinterland

Redebeitrag von Ralf Schroeder - 11. September 2004


Woody Allen beginnt seinen Film "Manhattan" mit folgendem Monolog:

Erstes Kapitel. Er betete New York an. Er vergötterte diese Stadt über alle Maßen. - Nein, nein, es muß heißen, er idealisierte sie über alle Maßen. - Ja. - Für ihn existierte diese Stadt, in der das Leben im Rhythmus der unsterblichen Melodien von George Gershwin pulsierte, nur in schwarzweiß, ganz gleich zu welcher Jahreszeit. - Ach, ich fang' gleich nochmal von vorne an. - Erstes Kapitel. Er hatte zu romantische Ansichten über Manhattan, wie auch über alles andere. Er wühlte sich durch das Tohuwabohu der Menschenmassen und des Verkehrs. Für ihn war New York gleichbedeutend für schöne Frauen und Kerle, die ganz genau wußten, wo's langgeht. - Äh, ach, kitschig; viel zu kitschig für einen Mann von meinem Geschmack. Also, nochmal von vorne, und etwas tiefschürfender. - Erstes Kapitel. Er betete New York an. Für ihn war diese Stadt ein Sinnbild für den Verfall der zeitgenössischen Kultur, des Mangels an individueller Integrität, der die Leute dazu verführte, den leichtesten Weg zu gehen. Für ihn verwandelte sich die Stadt seiner Träume zu einer ... - ach, das wird ja 'ne Predigt. Bloß das nicht, ich möchte ja noch ein paar Bücher an den Mann bringen! - Erstes Kapitel. Er betete New York an, obwohl es für ihn das Sinnbild für den Verfall der zeitgenössischen Kultur war. Es war nicht leicht, in einer Gesellschaft zu leben, die gegen Drogen, laute Musik, Fernsehen, Verbrechen und Müll immun geworden war. - Ach, es ist zum ..., aber ich will mich ja nicht aufregen. - Erstes Kapitel. Er war genauso hart und romantisch wie die Stadt, die er liebte. Hinter seiner schwarz geränderten Brille lauerte die mühsam gebändigte sexuelle Kraft einer Dschungelkatze (gut gesagt, nicht?). New York war seine Stadt, und würde es immer sein. Genau heute vor drei Jahren wurde New York von islamistischen Terrorbanden angegriffen, dem Western Way of Life sollte mit dem Islamic Way of Death ein massenmörderisches Ende gesetzt werden. New York wurde angegriffen, weil es ein Symbol für die besten Seiten der Moderne darstellt: Multikultur und Massenkultur, Urbanität und Individualisms, Live and let live, Veränderung, Medien und natürlich Sex and the City. Die wunderbare Schriftstellerin Lily Brett zog 1990 nach New York. Kurz vor den Anschlägen 2001 notierte sie:
In New York gibt es keine Routine, man kann seine winzige Welt nicht gegen dieses Universum abschotten - es stürzt auf einen ein ? Man paßt kurz nicht auf, und New York ist einem ins Blut übergegangen. Ich glaube, in New York wird man nicht leicht selbstgefällig, arrogant und konservativ. Das alles kann man von Groß Gaglow und Kleinmachnow kaum behaupten. Brandenbugische Käffer sind nicht New York, selbst Berlin ist eine auf märkischen Sand gesetzte Farce. Der gemeine Brandenburger, der willige Deutsche, der alte Europäer sieht sich von der ungewollten Moderne überfordert, er sieht sie als Bedrohung, als Gefahr. Wer Multikultur und Vielfalt ablehnt, wird den Nazis wieder zum Einzug ins Parlament verhelfen, wer den in Israel und Amerika imaginierten Imperialismus verachtet, ist gut bei den Demagogen der PDS aufgehoben, und wem dies alles als zu extrem erscheint, kann seinen Rassismus auch bei Schönbohm und seinen Antiamerikanismus auch bei den Sozialdemokraten ankreuzen. Die Wahlen nächstes Wochenende gehen so oder so schrecklich aus. Viele sind partei- und lagerübergreifend der Meinung, daß sich mit den Morden in New York und Bali, Istanbul und Madrid, Beer Sheeba, Moskau und Beslan die Unterdrückten dieser Welt mit einigem Recht gegen Globalisierung und Moderne auflehnen. Was zum Konsens sich verdichtete, beschrieb gestern Henryk M. Broder in SPIEGEL ONLINE wie folgt:
Drei Jahre nach den Anschlägen vom 11. September hat der Terror nichts von seiner Virulenz, aber viel von seinem Schrecken verloren. Hilflos unterstellen wir den Tätern ehrenwerte Motive und deuten deren Willkür als politische Verzweiflung. Die Vokabeln, die sich in den Medien für die Massenmörder z.B. von Beslan finden, sind erschreckend verräterisch: Dort spricht man von Bewaffneten, Rebellen, Separatisten, Aktivisten oder gar Freiheitskämpfern. Broder schlußfolgert: Wieder einmal wurden flugs die Rollen vertauscht. Aus Tätern wurden Opfer (der Politik, der Geschichte, der Umstände), aus Opfern wurden Objekte verständlicher Gewalt, die unfreiwillig für die Sünden der Täter (in diesem Fall der russischen Politik) büßen müssen. Bedauerlich, aber eben unvermeidlich.

Die Mörder, und da hat Broder recht, werden nicht vom Wunsch nach globaler Gerechtigkeit angetrieben, sondern von der Freude an der Barbarei. Auch wenn die Kommunisten unter uns nun Rotz und Wasser heulen. Die Alternative heißt im Jahre 2004: Kapitalismus oder Barbarei. Die westliche Moderne nach amerikanischem Modell ist, welch bittere Ironie die Geschichte, heute mehr denn je ein Bollwerk gegen Faschismus und mörderischen Massenwahn. Wir trauern an diesem Tag um die Opfer der islamistischen Massenmorde. Wir sind nicht bereit, den Terroristen "legitime Absichten" zu unterstellen. Auch jüngst die Mörder von Beslan haben jedes Recht verwirkt, daß man nach ihren Absichten fragt. Kein Vergeben, kein Vergessen - der alte Slogan der Antifa hat immer noch seine Berechtigung.
Das ruhige Hinterland für die Terrorzellen befindet sich auch in Deutschland. Als der Skandal um einen von der militanten "Antizionistischen Aktion" genutzten, staatlich finanzierten Jugendclub in Berlin Kreuzberg bekannt wurde, wollte eine Reporterin des Rundfunks Berlin-Brandenburg genaueres über diejenigen wissen, die neben Neonazis eben auch linke und islamistische Antisemiten zum Problem erklären. Und sie stellte uns einige Fragen, die an hermetischer Erkenntnisverweigerung nicht überboten werden können. Weil sie?s nicht besser wußte und die GEZ-Gebühren kein besseres Personal beim "Radio Multikulti" zu finanzieren vermochten. Einige Beispiele: Sie sprechen sich gegen migrantische Jugendliche aus. Was haben Sie gegen Multikulktur? Sie halten Kritik an Israel oft für antisemitisch. Warum nur?
Sie reden schlecht über die Friedensbewegung. Was haben Sie gegen den Frieden?
Und was haben Sie nur gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker?


Die baskischen und irischen Bombenleger, die palästinensischen Terroristen, die Mörder von Beslan - sie haben keine Rechte. Und schon gar nicht das Recht, daß man nach ihren barbarischen Zielen fragt. Selbstbestimmungsrecht der Völker? Allenfalls gibt es ein Selbstbewußtseinsrecht der Individuen. Aber es macht wohl wenig Sinn, dies der Dame vom Staatsfunk zu erklären. Für uns wenige bleibt der 11. September ein Tag der Zäsur, ein Tag der Trauer. Es ist aber auch ein Tag, an dem wir aufgefordert sind, die Restposten des Verstandesgebrauchs zu sichten. Und gelingt uns dies zwischen Oder und Rhein immer weniger, so können wir mit einigem Optimismus zu unseren klügeren polnischen Nachbarn schauen, die den Deutschen ein zunehmendes, selbstbewußtes Ärgernis werden. Während der deutsche Kanzler zum 60. Jahrestag des D-Day das Ende der Nachkriegszeit ausruft, widerspricht ihm Polens Außenminister Cimoszewicz vehement. Die Nachkriegszeit dauert an. Cimoszewicz sagte letzte Woche in einem Interview: Das wird so bleiben, weil das Wissen um die Geschichte und die Erinnerungen die Menschen prägen (?) In Polen steckt noch immer ein tiefes Gefühl, großes Unrecht erlitten zu haben. Wir reden über Millionen Opfer. Seit Jahrzehnten fordern Vertriebenenverbände - immer wieder auch mit Unterstützung der etablierten Parteien - von Polen Entschädigungen oder gar ein Rückkehrrecht.
Der vorläufigen Höhepunkt dieser Auseinandersetzung wurde gestern erreicht, als das polnische Parlament - und dies kann als überraschende Wende gelten - feststellte, daß Deutschland immer noch verpflichtet sei, an Polen Reparationen zu zahlen. 328 Abgeordnete stimmten dafür, niemand, wirklich niemand dagegen. Die Regierung von Marek Belka wird nun angemessene Maßnahmen gegen die Regierung der Bundesrepublik ergreifen, so der Parlamentsbeschluß. Und so ist dieser Tag, der 11. September 2004 auch ein guter Tag. Es ist ein Grund zur Freude, daß die polnischen Nachbarn selbstbewußt den Deutschen im Wortsinne die Grenzen aufzeigen und energisch historische Gerechtigkeit einfordern. Es ist ein guter Tag, da Matthias Wissmann von der CDU über die "Eskalation" schäumt, Claudia Nolte, ebenfalls CDU, von einer "unnötigen Verschärfung" redet und auch SPD und Grüne sich dagegen wehren, daß die Polen nicht mehr stillhalten und, wie die sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Schwall-Düren formuliert, "noch eins draufsetzen." Unsere Unterstützung gilt den berechtigten Forderungen Polens!


Und an diesem Tag noch ein Hoffnungsschimmer, der deutsche Friedensfreunde und ihre Partner in EU und UNO auf die Barrikaden bringt. Die Junge Welt vom heutigen Tage meldet: "Kriegsentschlossen. US-Kesseltreiben gegen den Sudan. Bush greift Sudan an. Neues Kriegsziel in Afrika" Was ist geschehen, daß die Kameraden aus dem nationalbolschewistischen Lager so hyperventilieren? Der kluge Richard Herzinger schrieb dieser Tage in der Schweizer "Weltwoche":
Anfang dieses Jahres bekannte sich die Uno offiziell schuldig, 1994 den Völkermord in Ruanda zugelassen zu haben. Aus der UNO-Zentrale und aus europäischen Hauptstädten vernahm man ein pathetisch zerknirschtes "Nie wieder". Da war im Sudan längst er nächste genozidale Akt im Gange. Unterstützt von der Regierung in Khartum ermordeten und vertrieben arabischstämmige Milizen die afrikanische Bevölkerung der Provinz Dafour (?) Die Not in den Flüchtlingslagern wächst, die Todesrate steigt. Jetzt offeriert die EU 40 Polizeioffiziere zu schicken, falls die Afrikanische Union sie anfordern sollte. Herzinger beschreibt zutreffend den mörderischen Zynismus von EU und UNO. Die Amerikaner haben lange gewartet. Nun aber erklärt das Weiße Haus: Es ist klar, daß nur ein Eingriff von außen das Töten stoppen kann.
Es sind wieder einmal islamistischen Terrorbanden, die die Junge Welt als "Liberation Army" und "Justice and Equity Movement" feiert. Vielleicht wird das Engagement der Amerikaner und ihrer Verbündeten dem Morden im Sudan ein baldiges Ende bereiten. Die Alliierten scheinen nicht mehr auf die "Staatengemeinschaft" warten zu wollen. Sie tun gut daran. Noch einmal ein Blick in die heutige Junge Welt: Zu den Hintergründen des 11. September, so schreibt sie, sei "nichts bewiesen" und spekuliert über den internationalen Terrorismus mit der Schlagzeile: "Mischten USA in Beslan mit? Kooperierten US-Gemeindienste mit den tschetschenischen Terroristen?" Am 11. September 2001 begann der Krieg der islamistischen Barbarei gegen die aufgeklärte Moderne. Die Versager und die Verbrecher sitzen auch in Deutschland. Es gibt viel zu tun für antideutsche Antifaschisten in diesem Land.



Bericht 1 und Bilder auf indymedia

Bericht 2 und Bilder auf indymedia

Sonderseite zur Demo in Kleinmachow: