ANTI - DEFAMATION FORUM
     



Drei Umfragen über das iranische Atomprogramm

MEMRI Special Dispatch - 20. März 2006

Morgen gibt der UN-Sicherheitsrat seine Resolution zum iranischen Atomprogramm bekannt. Währenddessen berichtete die Internetseite Roozonline.com, dass ein iranisches Institut im staatlichen Auftrag eine Umfrage zum Atomprogramm des Landes durchgeführt habe. Danach würde die Mehrheit der Iraner das iranische Atomprogramm nicht unterstützen. Die Umfrage, deren Ergebnisse geheim gehalten würden, soll im Januar und Februar 2006 durchgeführt worden sein.

Nach dieser Veröffentlichung von Roozonline präsentierte die dem religiösen Führer nahe stehende iranische Zeitung Kayhan zwei andere Umfragen, die zu ganz anderen Ergebnissen kommen.

Im Folgenden dokumentieren wir die Umfrageergebnisse:

´69 Prozent der Iraner betrachten das Atomprogramm nicht als ein nationales Projekt´

Ein offizielles iranisches Umfrageinstitut, ist laut roozonline.com zu dem Ergebnis gekommen, dass:

"69 Prozent der Iraner das iranische Atomprogramm nicht als ein nationales Projekt betrachten."

"86 Prozent der Iraner sind der Meinung, dass das Atomprogramm sich nicht lohne, falls ein Krieg der Preis dafür wäre."

"94 Prozent der Araber aus der Provinz Khusestan und 91% der Kurden aus Kurdistan sind der Meinung, dass das Atomprogramm ihre wichtigsten Probleme nicht lösen wird."

"98 Prozent der Iraner glauben, dass die Atomakte zu einem Krieg zwischen Iran und USA führen wird. Sie glauben, dass Irans Schicksal so ähnlich sein wird, wie das des Irak."

"28 Prozent der Iraner haben Angst vor einem Krieg der Amerikaner gegen den Iran."

Außerdem kommt laut Roozonline die Umfrage zu dem Ergebnis, dass "nur 11 Prozent der Iraner davon ausgehen, dass Ahmadinejad ihre täglichen Probleme lösen wird."

"Vor sechs Jahren", erinnert Roozonline weiter, "waren Abbas Abdi, Behrus Geranpaye und Hussein Qasian im Rahmen einer ähnlichen Umfrage zu dem Ergebnis gekommen, dass die Iraner gute Beziehungen zu den USA wünschen. Dafür wurden sie mit fünf 5 Jahren Haft bestraft. Ihnen wurde vorgeworfen, für die USA zu spionieren." [1]

´89 Prozent der iranischen Hochschullehrer und Studenten für das iranische Atomprogramm´

Zu ganz anderen Ergebnissen kam die Zeitung Kayhan. In einer Umfrage die das "Zentrum zur Erforschung der öffentlichen Meinung" vom 5. bis zum 8. März unter Hochschullehrern und Studenten durchgeführt hätte, hätten "89 Prozent der Hochschullehrer und 87 Prozent der Studenten entschlossen das iranische Atomprogramm verteidigt":

"Mehr als 89,1 der Hochschullehrer und 86,9 Prozent der Studenten sind gegen die Meinung mancher Großmächte, wonach sich der Iran auf seine Öl- und Gasressourcen stützen und auf die Atomenergie zur Erzeugung von Strom verzichten sollte."

"63,4 Prozent des iranischen Wissenschaftsrates und 56 Prozent der Studenten haben sich dagegen ausgesprochen den europäischen Forderungen nachzugeben, falls die iranische Akte an den UN-Sicherheitsrat verwiesen wird. Auch wenn wirtschaftliche und politische Sanktionen gegen den Iran durchgeführt werden sollten, sind 62,3 Prozent des Wissenschaftsrates und 52,3 Prozent der Studenten der Meinung, dass sie den Europäern nicht nachgeben sollten."

"Für 81 Prozent der Hochschullehrer und 76,9 Prozent der Studenten ist das europäische Verhalten im Hinblick auf das iranische Atomprogramm diskriminierend. Für 75,2 Prozent der Mitglieder des Wissenschaftsrates und für 65 Prozent der Studenten verfolgt auch die Internationale Atomenergiebehörde [IAEA] eine diskriminierende Strategie." Europa und die IAEA seien dem Diktat der Vereinigten Staaten erlegen.

"Nur 9,2 Prozent der Hochschullehrer und Wissenschaftler sind der Meinung, dass der Iran auf sein Anreicherungsprogramm verzichten soll, falls die iranische Atomakte im UN-Sicherheitsrat diskutiert wird. Und nur 9,4 Prozent der Studenten sind für einen Verzicht des Anreicherungsprogramms."

"Für 68,5 Prozent der Hochschullehrer und für 68,9 Prozent der Studenten ist das friedliche Atomprogramm ein Prestigeobjekt."

"60 Prozent der Befragten und 54 Prozent der Studenten betonen, dass die Feindschaft der Amerikaner und der Europäer die nationale Solidarität im Iran gestärkt" habe. "Nur 4,4 Prozent der Hochschullehrer haben erklärt, dass der Konflikt wirtschaftliche Probleme für den Iran mit sich bringen wird."

"65,8 Prozent der Hochschullehrer und 53,3 Prozent der Studenten sind der Meinung, dass der Iran viel mehr Transparenz und Kooperationsbereitschaft bewiesen habe als im Rahmen des NPT-Vertrag vorgesehen. 56,9 Prozent der Hochschullehrer und 51,1 Prozent der Studenten sind der Meinung, dass der Iran seinen guten Willen gezeigt habe, in dem die Regierung dem Zusatzprotokoll auf freiwilliger Basis zugestimmt habe, ohne die Zustimmung des Majless eingeholt zu haben." [2]

´90 Prozent der Lehrer und der Schüler für das iranische Atomprogramm´

Gestern legte Kayhan dann Ergebnisse einer weiteren mehr oder weniger gleich lautenden Umfrage unter Lehrern und Schülern vor. Darin hieß es:

"90,3 Prozent der Lehrer und 88,6 Prozent der Schüler befürworten das iranische Atomprogramm."

"Für 68,6 Prozent der Lehrer und für 57,2 Prozent der Schüler hat der Iran mehr als im NPT-Vertrag vorgesehen seine Bereitschaft zur Kooperation mit der IAEA bewiesen."

"90,3 Prozent der Lehrer und 88,6 Prozent der Schüler widersprechen der Position der fremden Mächte, dass der Iran sich mit seinen Öl- und Gasressourcen begnügen sollte."

"65,1 Prozent der Lehrer und 64,9 Prozent der Schüler sind der Meinung, dass der Iran nicht den Forderungen der Europäer nachgeben sollte, falls die Atomakte dem Sicherheitsrat übergeben werden sollte. 63,5 Prozent der Lehrer und 69,2 Prozent der Schüler sind der Meinung, dass der Iran den Europäern auch nicht nachgeben sollte, falls wirtschaftliche und politische Sanktionen gegen den Iran durchgeführt werden."

"Für 81,5 Prozent der Lehrer und 78,2 Prozent der Schüler ist die europäische Politik gegenüber dem Iran diskriminierend. 74,6 Prozent der Lehrer und 60,8 Prozent der Schüler sind der Überzeugung, dass die IAEA den Iran diskriminiert. Nur 5,5 Prozent der Lehrer und 6,1 Prozent der Schüler waren dafür, dass der Iran auf sein Anreicherungsprogramm verzichten sollte, falls die Atomakte an den Sicherheitsrat verwiesen wird."

"Für 78,2 Prozent der Lehrer und für 77,1 Prozent der Schüler stellt das Atomprogramm ein nationales Prestigeobjekt dar."

"67,6 Prozent der Lehrer und 58,9 Prozent der Schüler sind der Meinung, dass die Feindschaft der Amerikaner und Europäer die nationale Solidarität der Iraner stärken wird. Nur 5,1 Prozent der Lehrer und 5,7 Prozent der Schüler gehen davon aus, dass der Konflikt wirtschaftliche Probleme für den Iran mit sich bringen wird." [3]

[1] Roozonline 15.3.2006. Roozonline unterstützt die Reformbewegung, ist in Frankreich gemeldet und im Iran sehr bekannt. Die Website gab nicht bekannt, wie sie zu den Umfrageergebnissen gekommen ist.

[2] Kayhan, 16.3. 2006. Die Befragten Mitglieder wissenschaftlicher Einrichtungen hätten im Durchschnitt einen Doktortitel und seien 44,7 Jahre alt, so Kayhan zu der Studie. Die befragten Studenten sollen durchschnittlich 22,6 Jahre alt sein.

[3] Kayhan, 18.3.2006. "Die befragten Lehrer", so Kayhan, "waren durchschnittlich 39 Jahre alt. Die Schüler waren durchschnittlich 17,2 Jahre alt. 63,7 Prozent von ihnen waren Mädchen und 36,3 Prozent Jungen."

*********************************************************

Die Ansichten der zitierten Autoren geben nicht die Meinung von MEMRI wieder. Kopien der zitierten Artikel und Dokumente sind auf Nachfrage erhältlich.

Um sich aus der Mailingliste abzumelden, schicken Sie uns bitte eine kurze Nachricht an memri@memri.de

THE MIDDLE EAST MEDIA RESEARCH INSTITUTE (MEMRI)

Linienstr. 139, 10115 Berlin; URL: www.memri.de

Tel.: +49-30-97893872/3968, Fax: +49 (030) 97893975

© Copyright by The Middle East Media Research Institute (MEMRI) - memri.de. Alle Rechte vorbehalten